Kunst trifft Region: Drei Artists in Residence gestalten den Sommer im Altenburger Land

Im Rahmen des Projekts Stadt.Land.Kult(o)ur arbeiten im Zeitraum von Juni bis August drei ausgewählte Artists in Residence an ortsbezogenen und partizipativen Vorhaben im Altenburger Land. Die Künstler:innen setzen sich gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern kreativ mit regionalen Themen, Herausforderungen und Zukunftsfragen auseinander. Im Mittelpunkt stehen Begegnung, Beteiligung und die Frage, wie kulturelle Prozesse gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken können.

 

Das Projekt und die Künstlerresidenzen sind Teil des Bundesprogramms Aller.Land - zusammen gestalten. Strukturen stärken. und verstehen Kultur als offenen sozialen Raum: Menschen sollen nicht nur Zuschauer:innen sein, sondern aktiv mitgestalten, erzählen, diskutieren und ihre Perspektiven einbringen. Die Artist-in-Residence-Programme schaffen dafür temporäre Arbeits- und Begegnungsräume an verschiedenen Orten im Landkreis.

 

Artist in Residence 2026 im Haus am Milchberg: Jennifer de Negri untersucht Spuren, Erinnerungen und mehr-als-menschliche Perspektiven

 

Das Haus am Milchberg begrüßt die Autorin, Medienkünstlerin und Kuratorin Jennifer de Negri als Artist in Residence im Rahmen von Stadt.Land.Kult(o)ur im Altenburger Land.

 

Jennifer de Negri arbeitet an den Schnittstellen von Literatur, Installation, Performance und künstlerischer Forschung. Ihre Arbeiten verbinden poetische, dokumentarische und spekulative Ansätze und beschäftigen sich mit Fragen nach Gemeinschaft, Erinnerung, Multispezies-Erzählungen und ökologischen Beziehungen.

 

Während ihrer Residency entwickelt sie unter dem Titel „Fraßspuren“ eine künstlerische Untersuchung zu Haus Ruth in Kriebitzsch und dem Haus am Milchberg als Speicher von Zeit, Geschichten und materiellen Einschreibungen. Im Mittelpunkt stehen sichtbare und verborgene Spuren: Maßzeichnungen an Türrahmen, beschädigte Oberflächen, Überreste früherer Bewohner – ebenso wie die Spuren nicht-menschlicher Akteur wie Holzwürmer, Vögel, Nager oder Insekten.

 

Haus Ruth wird dabei nicht nur als historisches Objekt verstanden, sondern als eigenständige Akteurin und Trägerin von Erinnerung. Aus dieser künstlerischen Forschung entstehen poetische Miniaturen, essayistische Texte sowie eine partizipative Rauminstallation.

 

In Anlehnung an die „Zettelnotierungsmethode“ Friederike Mayröckers lädt Jennifer de Negri Bewohner aus Kriebitzsch dazu ein, Briefe, Dokumente, Fotos, Notizen oder eigene Texte beizusteuern. Daraus entwickelt sich eine wachsende, ephemere Installation aus fragmentarischen Erinnerungen und schriftlichen Spuren des Dorfes.

 

Jennifer de Negri veröffentlichte zuletzt den Gedichtband „reise nach BABYlon“ und war unter anderem am Museum Morsbroich, im Literaturhaus Berlin sowie international in Seoul präsent. Mit ihrer Artist in Residence entsteht am Haus am Milchberg ein poetischer Denk- und Begegnungsraum, der Vergangenheit, Gegenwart und zukünftige Formen des Zusammenlebens miteinander verschränkt.

 

Artist in Residence 2026 auf dem Kunsthof NIA: Emilie Spengler erforscht textiles Handwerk als soziale Praxis

 

Der Kunsthof NIA in Niederarnsdorf begrüßt die Textilkünstlerin und Designerin Emilie Spengler als Artist in Residence im Rahmen des Programms Stadt.Land.Kult(o)ur im Altenburger Land.

 

Im Zentrum ihrer Arbeit steht das textile Handwerk als verbindende soziale Praxis. Bereits während ihres Studiums der Textilkunst und des Textildesigns an der Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg entwickelte Emilie Spengler partizipative Ansätze, die textile Techniken als Mittel gemeinschaftlicher Gestaltung und sozialer Teilhabe begreifen.

 

Für ihre Residency am Kunsthof NIA plant sie offene, generationsübergreifende Werkstatt- und Workshopformate, die Menschen unterschiedlicher Hintergründe zusammenbringen. Unter dem Motto „Bring your own skills, bring some wool, bring your friends, bring your grandparents – or just yourself“ entsteht ein kollektiver Arbeitsprozess, in dem Wissen, Materialien, Techniken und Erfahrungen miteinander verflochten werden.

 

Im Mittelpunkt stehen textile Praktiken wie Weberei, Stickerei, Strickerei oder Färben – zugleich bleibt der Raum bewusst offen für weitere kreative und handwerkliche Zugänge. Ziel ist es, einen niedrigschwelligen Ort für Austausch, Selbstwirksamkeit und gemeinschaftliches Lernen zu schaffen. Dabei versteht Spengler Gestaltung ausdrücklich nicht nur als ästhetische Praxis, sondern als Werkzeug sozialer Verbindung und Ermächtigung.

 

Besondere Aufmerksamkeit erhielt ihre Abschlussarbeit „community weaving . weaving a community“, die gemeinsam mit dem INVITAS Lebenshilfewerk Schneeberg entwickelt wurde. In kollaborativen Webprozessen entstanden dort textile Arbeiten, die kollektive Kreativität und inklusive Teilhabe sichtbar machen.

 

Mit der Artist in Residence am Kunsthof NIA setzt Emilie Spengler ihre künstlerische Forschung zu Textil, Gemeinschaft und Partizipation im ländlichen Raum fort und entwickelt neue Formate des gemeinsamen Machens zwischen Handwerk, sozialer Praxis und künstlerischer Intervention. 

 

Artist in Residence 2026 im Hofsalon Altenburg: Martin Fink entwickelt wandelbare Raumstruktur zwischen Bühne, Architektur und sozialem Feld

 

Der Hofsalon Altenburg begrüßt den Künstler und Raumforscher Martin Fink als Artist in Residence im Rahmen des Programms Stadt.Land.Kult(o)ur im Altenburger Land.

 

Martin Fink, Diplom-Künstler und Absolvent des Masterstudiengangs „Public Art and New Artistic Strategies“ der Bauhaus-Universität Weimar, arbeitet an den Schnittstellen von Kunst, Architektur, Installation und urbaner Praxis. Seine Arbeiten untersuchen Räume im Übergang – Orte, die sich zwischen Nutzung, Transformation und Imagination bewegen.

 

Für den Hofsalon entwickelt Fink eine modulare, künstlerisch-architektonische Installation, die den Hof als wandelbaren Begegnungsraum aktiviert und weiterdenkt. Ausgangspunkt ist die Frage: Wie können Räume gestaltet werden, deren Atmosphäre sowohl stilles Lesen als auch gemeinschaftliches Feiern ermöglicht?

 

Die entstehende Struktur versteht sich zugleich als Bühne, Aufenthaltsort und offene Infrastruktur. In einem vierwöchigen partizipativen Prozess verbindet das Projekt Ortsanalyse, gemeinsames Entwerfen, bauliche Umsetzung und öffentliche Aktivierung miteinander. Bürger, lokale Initiativen sowie Akteur der Stadtgesellschaft werden aktiv in die Entwicklung eingebunden.

 

Finks Arbeiten zeichnen sich durch eine besondere Sensibilität für Material, Atmosphäre und soziale Dynamiken aus. Internationale Ausstellungen und Projekte führten ihn unter anderem nach Belfast, Mostar, Brasilien und Argentinien. 2024 zeigte die ACC Galerie Weimar seine umfangreiche Einzelausstellung „made in MUNROI“.

 

Mit der Residency im Hofsalon entsteht ein experimenteller Ort zwischen öffentlichem Raum, kultureller Infrastruktur und gemeinschaftlicher Praxis – offen für zukünftige Nutzungen, Begegnungen und neue Formen städtischer Öffentlichkeit.